Wenn die Tinte fließt, erwacht eine Seele zum Leben. Und als er einen Vogel auf einen Stein zeichnete, wurde der schwere Stein plötzlich ganz leicht – und flog einfach weg!
Mawlana Abdur Rahman Jami aus Herat
Es ist für mich wirklich ein Privileg, seit über 38 Jahren als Jongleur, Komiker und Geschichtenerzähler unterwegs zu sein. Geschichten erzählen ist eigentlich die älteste Kunstform überhaupt. Von den ersten Tier- und Handabdrücken an Höhlenwänden, über die alten Geschichten der Zen-Meister und Sufi-Lehrer, bis zu den Erzählungen der Reisenden auf den Seidenstraßen – Geschichten haben die Menschen schon immer begleitet und ihnen geholfen, ihren Weg zu finden.Diese alten Volks- oder „Wundergeschichten“ zeigen uns, dass das Leben ein Lernprozess ist – und wenn man das einmal versteht, lässt sich vieles leichter meistern.
2020 war ich gerade in Marokko, um zu recherchieren und an meinem ersten Buch „Tales From The Teahouse“ zu schreiben, als sich die Welt komplett veränderte. Die Person, die meine Texte eigentlich illustrieren wollte, konnte es plötzlich nicht mehr tun. Jemand meinte dann, ich solle es einfach selbst versuchen. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie etwas gezeichnet. Aber ich hatte Zeit – keine Schulauftritte, keine Theaterveranstaltungen, keine Workshops. Also hab ich’s probiert. Jede Geschichte, die ich schrieb, zeigte mir den nächsten Schritt. Und jede Zeichnung sagte mir: Mach weiter. Geh deinen eigenen Weg.
Was auf dieser Reise entstanden ist, findest du hier – in meinen Büchern und in meiner Kunst. Und ich habe unterwegs viel Unterstützung bekommen. Seit vielen Jahren veröffentlicht die Initiative Selbsthilfe Multiple Sklerose Kranker e. V. meine Geschichten in ihrem Magazin und online. Dafür bin ich dankbar.